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Die Säulen der Homöopathie

1.das Ähnlichkeitsprinzip
2.der Arzneimittelversuch
3.die Lebenskraft
4.das Potenzieren oder Dynamisieren der Arznei

1. das Ähnlichkeitsprinzip

Eine Arznei heilt nur Krankheiten, die sie in ähnlicher Art in einem gesunden Menschen auch erzeugen kann. Dieses Prinzip ist uns gar nicht so unbekannt, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein paar Beispiele: Wenn die Hände im Winter zu kalt geworden sind, ist es geschickter, sie im kalten Schnee einzureiben, als sie mit heißem Wasser zu behandeln. Obwohl es erstmal logischer wäre, das Kalte einfach heiß zu machen, tut es mehr weh und hilft nicht so schnell. Auch die Idee der Selbsthilfegruppen ist ein sehr homöopathischer Gedanke. Eine ähnliche Geschichte vom Verlust eines Kindes zu hören, das fast gleiche Schicksal vor sich zu sehen, hilft weitaus mehr, als der gut gemeinte Satz, sie könne doch noch mal schwanger werden. Genauso steht es mit dem Liebeskummer, was hilft es schon zu erfahren, dass rein theoretisch- es auch noch andere schöne Mädchen oder Jungen gibt? Aber jemanden zu treffen, dem dasselbe passiert ist oder einen guten Kinofilm über eine ähnliche Tragödie zu sehen, muntern oft viel mehr auf.

Beim Einsatz der Arzneien ist das Ähnlichkeitsprinzip erst einmal befremdend. Nehmen wir an, ein Patient ist sehr gesprächig, ja wirkt fast überdreht, klagt über Herzklopfen und Schlaflosigkeit und das ständig neue Gedanken auf ihn einströmen. Sein Zustand würde uns nicht wundern, wenn wir erfahren würden, dass er täglich zwei Kannen Kaffee trinkt. Tut er das aber nicht, dann denkt die Homöopathin oder der Homöopath automatisch an die Arznei Coffea, also Kaffee. Denn Kaffee kann einen solchen Zustand hervorrufen und demnach eben auch heilen. Und so ist es auch, Coffea bringt den Schlaf zurück.

2. der Arzneimittelversuch

Hahnemanns Selbstversuch mit Chinarinde, war der Beginn der Homöopathie. In Folge dessen erstellte er viele „Vergiftungsprotokolle“, die man in der Homöopathie Arzneimittelprüfungen nennt. Um die hundert dieser Prüfungen führte Hahnemann in seinem Leben durch. Diese sind bis heute noch wichtige Grundlagen in der täglichen homöopathischen Praxis. Später wurden die Arzneiversuche nur noch mit Arzneipotenzen (homöopathisch aufbereitete Stoffe) durchgeführt. Dadurch sollten mögliche Gefahren für den Prüfer abgewendet werden. Bei der homöopathischen Prüfung geht es um alle Wirkungen der Arznei auf jeder Ebene des Menschen. Es wird nicht unterschieden, ob die Wirkung wünschenswert ist, oder nicht. Jede Nebenwirkung ist eine Hauptwirkung der Arznei. Ein Beispiel: In der homöopathischen Arzneimittelprüfung des Sturmhutes (Aconitum napellus) ist unter anderem das Symptom bekannt, dass man Schüttelfrost bekommt, eine ruhelose, panische Angst spürt und das Gefühl hat seine Todesstunde wäre bald gekommen. Hat nun ein Patient Fieber, ist ruhelos und panisch und glaubt bald hätte sein letztes Stündlein geschlagen, dann verabreicht man ihm Aconitum. Die homöopathische Arznei wirkt also nicht nur auf der körperlichen Ebene (Schüttelfrost und Hitzegefühl), sondern auch auf der Gemütsebene (Panik, Angst, Gefühl er würde bald sterben). Der ganze Mensch ist betroffen. Und so kann auch der ganze Mensch geheilt werden. Es wird nicht nur ein Teil des Menschen gesehen oder behandelt, sondern der ganze Mensch.
Bei einer Erkrankung stellt sich meistens eine für den Menschen typische Stimmung ein, die in Kombination mit den jeweiligen Krankheitssymptomen eine Veränderung des Menschen in all seinen Dimensionen hervorruft. In den homöopathischen Arzneimittelprüfungen ist das oft nicht anders. Diese „Vergiftung“ ist nichts anderes als eine künstlich herbeigeführte Krankheit, von einer echten nicht zu unterscheiden. Mit Hilfe dieser Arzneimittellehren ist es den Homöopathinnen und Homöopathen möglich, das Ähnlichste Arzneimittel für die angezeigte Krankheit zu finden und damit zu heilen.

3. die Lebenskraft

Hahnemann sagt, es muss ein Prinzip im Organismus existieren, welches alles am Laufen hält, wenn wir gesund sind, sonst würde der Körper einfach verfaulen, wie ein toter Körper. Modern ausgedrückt ist diese immaterielle Kraft unser Betriebssystem. Ist es in Ordnung, arbeiten alle Teile im Organismus zusammen und schädliche Einflüsse (z.B. Grippeviren) werden mühelos abgewehrt. Ist es aber nicht mehr in Ordnung werden die schädlichen Einflüsse nicht mehr abgewehrt und es entsteht eine Disharmonie zwischen Körper und Geist und letztendlich Krankheit. Es bilden sich Symptome aus, die aber nicht die Krankheit sind, sondern die gestörte, nicht fassbare Lebenskraft ist erkrankt und muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Schulmedizinisch werden oftmals nur die Symptome behandelt und nicht Körper und Geist ins Gleichgewicht gebracht. Das die Symptome immer wieder kommen oder sich verschieben (schlimmer werden), z.B. von der mit Cortison behandelten Neurodermits zum Asthma, ist bekannt. Wir sind es gewohnt, bei unseren Kniebeschwerden zum Orthopäden zu gehen, bei Depressionen gehen wir zum Psychologen und bei Rückenschmerzen lassen wir uns eine Spritze geben und uns wieder einrenken. Für Hahnemann sind Körper und Gemütssymptome ein Ausdruck der erkrankten Lebenskraft, die das Ganze des Menschen darstellt und die zur Gesund­ung des Patienten umgestimmt werden muss.

4. das Potenzieren oder Dynamisieren der Arznei

Arzneien in ihrer Reinform bergen Gefahren in sich, denn sie sind zum Teil giftig. Hahnemann erkannte, dass seine Arzneien nicht nur Heilen können, sondern auch schädigen. Er begann erst einmal die Dosis zu reduzieren, damit es keine allzu heftigen Reaktionen mehr gab. Doch dann passierte, was zu erwarten war, nicht nur die Überreaktionen verschwanden, sondern auch die Heilwirkungen. Hahnemann versuchte eine Form der Arznei herzustellen, die nicht auf einer chemischen Wirkung basierte, da ihm bewusst war, das das immaterielle des Körpers, die Lebensenergie, erkrankt ist und geheilt werden müsste. Also musste eine Arznei auf der immateriellen Ebene erschlossen werden. Was er von einer Substanz also wollte, war nicht das Gift, oder die Materie, sondern deren geistiges Prinzip, ihre Lebenskraft. Er musste also die Materie von der Lebenskraft trennen.

Beim Vorgang des Potenzierens geschieht genau das: Hahnemann nahm einen Tropfen der aufgelösten Substanz (z.B. die Tollkirsche = Belladonna atrophina) und gab ihn in ein Gläschen mit 100 Tropfen Alkohol. Dabei nimmt die chemische Konzentration ab. Im zweiten Schritt dynamisierte er die Arzneiverdünnung. Dies geschieht, indem er das Fläschchen zehnmal fest auf einen festen aber elastischen Gegenstand klopft (z.B. auf ein in Leder gebundenes Buch). Dadurch wird die Heilkraft verstärkt und die Giftwirkung verringert. Diese beiden Schritte wiederholte er in der Regel 30-mal (C30), um dann eine kräftige Arznei zu erhalten, die die Lebensenergie sanft umstimmt und zur Genesung führt, ohne gefährliche Vergiftungsreaktionen herbeizuführen. Nach dieser Regel werden auch heute noch die homöopathischen Arzneien hergestellt und inzwischen gibt es eine nach oben offene Potenzskala.

*) Quelle: zum Teil entnommen aus Gerhard Ruster Homöopathie



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